Telefon-Scam: Wenn der Trojaner zweimal klingelt

Als gäbe es nicht schon genug Ärger mit Trojanern und anderen Schädlingen auf dem PC. Jetzt schwappt aus den Staaten eine eigentlich gar nicht so neue Art der Computerinfizierung in die „alte Welt“: der Telefon-Scam.

Unerbetene Hilfe

Dass das Telefon klingelt und fremde Leute ihre Hilfe anbieten, kennt jeder von uns. Meist sind es Versicherungen, Versandhäuser oder Mobilfunkunternehmen bzw. deren beauftragte Callcenter, die einem helfen wollen »jede Menge Geld« zu sparen oder eine andere Art der besseren Zukunft versprechen. Obwohl dies gesetzlich bereits eingeschränkt wurde, ist es de facto noch immer aktuell. Jeder von uns weiß damit mittlerweile mehr oder minder gut umzugehen.

Hier spricht Firma »Windows«

Was aber, wenn die freundliche Stimme am anderen Ende der Telefonleitung uns (erst mal) gar nichts verkaufen will? Der selbsternannte Schutzengel weist freundlich aber bestimmt darauf hin, dass unser Rechner von den „bösen Jungs im Internet“ gekapert wurde – und dass der eigene Rechner damit zur Bedrohung für den Rest der Welt geworden ist. Jetzt hätte ein Trojaner also auch den eigenen PC heimgesucht.

Rot und noch ein Ausrufezeichen

In der Praxis so passiert: Auf die Rückfrage, ob der Anrufer wirklich von Microsoft sei, gibt es keine Verneinung, sondern das selbstbewusste Statement: „Wir sind von Windows“!

Und den „Beweis“, dass die geäußerte Gefahrenquelle keine Annahme sei, tritt Herr Windows auch gleich an. Mit ein paar Mausklicks telefonisch in die Ereignisanzeige des Computers gelotst, stellt der verunsicherte Anwender zu seinem Erstaunen fest, dass hier tatsächlich etliche Fehlermeldungen aufgeführt sind – deutlich rot markiert.

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Was die wenigsten Anwender wissen: in jedem, auch noch so gesunden PC-System lassen sich Fehlermeldungen finden. Dessen Beschreibungen lassen auch versierten PC-Technikern nicht selten die Stirn runzeln. Und die eigene Verunsicherung spielt dem Telefon-Scammer vollends in die Hände.

Nichts als Betrug

Ist der Zweifel an der eigenen Kompetenz nur groß genug, so nimmt auch das Misstrauen gegenüber dem vermeintlichen Helfer ab. Schon bald wird dann seinem „Angebot“ nachgekommen.

Die folgenden Aktionen waren in der Praxis vielfältig. So begnügte sich der eine „Supporter“ damit, den (nicht vorhandenen) Trojaner zu beseitigen und dafür Geld zu verlangen. Ein anderer stellte gar keine finanzielle Forderung, sondern war nur selbst auf die Installation eines Schädlings aus. Ein dritter verkaufte auf diesem Weg gleich die „richtige“ Anti-Virus-Lösung, was ihm zu jeder Zeit den unberechtigten Zugriff auf den Rechner ermöglichte.

Das »soziale« Hacking

Und die Moral von der Geschichte? Manchmal ist es für Betrüger viel einfacher, den Hörer in die Hand zu nehmen, als auf technischem Weg den Heim-PC zu infizieren. Die „Rendite“ ist zudem um einiges höher, da er damit auch gleichzeitig ein „Kundenverhältnis“ aufgebaut hat.

Die beste Gegenmaßnahme? Vertrauen Sie lieber Ihrem PC-Supporter aus Ihrer Umgebung. Der ist vielleicht technisch nicht so fit wie die »Firma Windows« – er arbeitet aber zumindest für Sie.


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