Temperatur-Monitoring: Hitzeschock im Winter!

Draußen ist es eisig kalt. Die Temperatur weit unter null Grad. Das Thema Klimaanlage wird gedanklich in den Sommer vertagt. Keine gute Idee, wenn es um das Herz Ihrer EDV geht: den Serverraum.

Ein ungeliebtes Thema

Die Temperatursteuerung des Serverraums ist kein beliebtes Thema. Der Raum selbst fristet in kleineren Unternehmen ohnehin ein stiefmütterliches Dasein. Was in größeren Firmen oder Rechenzentren zu einer Kardinalfrage gehört, wird von IT-Verantwortlichen im KMU-Bereich gerne verdrängt: Neben einer guten Planung der Racks benötigt vor allem das Thema Abluft größte Aufmerksamkeit.

Winter im Serverraum?

Viele Geräte, hohe Temperatur

Da die Entlüftung des Serverraums ab einer gewissen Anzahl an Geräten nicht mehr ausreicht, muss die Temperatur über eine Klimaanlage gesteuert werden. Hitze vertragen Server, Festplatten und andere IT-Geräte sehr schlecht. So nicht ohnehin ein unmittelbarer Defekt die Folge ist, verkürzt sich die Lebensdauer der Systeme extrem. Server fahren sich meist selbst herunter, wenn die Hitze zur Gefahr wird. Aber auch in diesem Fall sind Folgeschäden vorprogrammiert – von der unerwarteten Downtime und Produktionsausfällen ganz zu schweigen.

Temperaturüberwachung, aber wie?

Temperatursensor

Ein erster Schritt zur Lösung der Problematik ist – neben dem Einbau einer professionellen Klimaanlage – die Installation von Sensoren, die zu jeder Zeit die Abfrage der aktuellen Temperatur im Serverrack ermöglichen. Eigentlich keine große Sache. Die Wahl der passenden Klimaanlage ist da weitaus schwieriger. Die Steuerung der Sensoren übernimmt ein kleines Gerät, meist mit integriertem Webserver zur einfachen Konfiguration. Zur Abfrage der aktuellen Werte sollte auf jeden Fall das SNMP-Protokoll unterstützt werden. Dazu später mehr.

Server-Shutdown wegen Hitze

Ohne Monitoring handelt der Server

Neben der richtigen Positionierung (am effektivsten dort, wo die Server die Luft anziehen) ist nur noch auf die entsprechende Anzahl zu achten. Abhängig von der gewünschten Lösung gilt es abschließend nur noch den passenden Hersteller zu wählen.

Sensor von Kentix

Der Sensor

Für kleinere Umgebungen ist vielleicht bereits die USV-Lösung machbar. Dabei wird beispielsweise an eine APC-USV ein Sensor an die Management-Karte angeschlossen. Zu beachten ist, dass kleinere USV-Modelle keine solche Steuerungskarte besitzen. Auch hier bedeutet anfangs etwas mehr Investition am Ende eine Kosteneinsparung. Dieser Sensor stellt die Temperatur über die Steuerungsoberfläche der USV zur Abfrage bereit. Preiswert, einfach und schnell installiert – aber auf einen Fühler beschränkt. Also auch nur für einen Messpunkt geeignet. Ansonsten erfolgt die Überwachung aber ohne Einschränkungen. Die ständigen SNMP-Abfragen und die Auswertung im Monitoring-Server ersetzen zukünftige Zugriffe auf die Weboberfläche der USV-Steuerung.

Sensor von Kentix

Temperatur-Monitoring im Server

Wie viele Sensoren?

Größere Lösungen ermöglichen neben der Erfassung der Temperatur mit mehreren Sensoren auch noch zusätzliche Monitoringaufgaben. Diese sollten bei einer Neuanschaffung bereits berücksichtigt werden, da für den Fall einer Erweiterung ansonsten das gesamte System gewechselt werden muss. Anbieter gibt es einige: Kentix, MessPC und Jacarta seien nur als erste Anlaufstellen zur Information genannt. Auch von APC gibt es größere Lösung (NetBotz genannt) als die der direkten USV-Anbindung. So kann es durchaus Sinn machen, ein System mit integriertem GSM-Modul zu wählen. Dann klappt die Verständigung auch, wenn das Netzwerk bereits down ist.

NetBotz von APC

NetBotz von APC

Monitoring mit Alarm

Mit der Erfassung der Temperatur ist es jedoch nicht getan. Schließlich ist eine umgehende Verständigung der verantwortlichen Techniker notwendig, um umgehend Maßnahmen zu ergreifen. Vielleicht helfen schon das Öffnen der Tür zum Serverraum und ein Ventilator, um das Schlimmste zu verhindern. Zumindest gewinnt man (die Technik) etwas Zeit, um weitere Maßnahmen einzuleiten (Verständigung der Anwender) und die Systeme herunterzufahren. Abhängig von der IT-Landschaft kann auch ein Shutdown einzelner Systeme, deren Dienste aktuell nicht unbedingt notwendig sind (Backup, AV-Server, etc.) etwas Entlastung bringen. Zumindest verlangsamt auch dies den explosionsartigen Anstieg der Temperatur.

SNMP und Monitoring

Die in machen Systemen integrierte Überwachung ist keine gute Lösung. Zum einen ist gerade im Temperaturbereich eine Auswertung über einen längeren Zeitraum sinnvoll. Nur so kann festgestellt werden, ob die Klimaanlage auch rund um die Uhr effiziente Dienste leistet (vor allem nach der Installation sehr sinnvoll). Zum zweiten ist aber eine Eskalation die einzige Lösung für die Praxis: Eine Warnmeldung bei „ungewöhnlichen“ Werten – also eine minimale Überschreitung des üblichen Temperaturbereichs. Eine Eskalation an den IT-Techniker (auch nachts), wenn die Temperatur kritische Werte erreicht. Und eine Automatisierung des Shutdowns bei Hitzegefahr – vielleicht sogar in zwei Stufen (wichtige Server zuletzt).

Monitoring mit Temperaturalarm

Monitoring mit Temperaturalarm

Da der Monitorinn-Server zu jeder Minute über den Sensor die aktuelle Temperatur auswertet, können individuelle Alarmstufen mit unterschiedlichsten Alarmmethoden konfiguriert werden. Auf E-Mail allein kann da nicht gesetzt werden. Vielleicht hat ja bereits der Exchange Server den selbständigen Shutdown initiiert.

Das Monitoring über SNMP hat hier – wie sonst auch – große Vorteile. Keine großen Datenströme, nur kurze Abfragen über die passende OID konfiguriert, liefern im Minutentakt die exakten Werte in die Monitoring-Datenbank. Und auf Wunsch – je nach gewählter Lösung – auch noch andere Umgebungswerte wie Feuchtigkeit, Rauchmeldung, etc.

Ihre Hardware und störungsarmer Betrieb sollte es Ihnen Wert sein. Und schon können Sie das Thema Klimatisierung im Serverraum für lange Zeit ausblenden und sich aktuellen IT-Themen widmen. Davon gibt es ja genug.

 

 


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1 Antwort

  1. Guten Tag. Ich kenne mich mit Technologie ehrlich gesagt nicht so gut aus, aber mein Onkel arbeitet mit Luftleitsystemen und hat mir ein bisschen erklärt wie das funktioniert. Ich hätte nicht gedacht, dass die Temperatur für Server und Hardware so wichtig sein kann. Danke für den interessante Artikel

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