Aus für Windows Server 2003! Eine Chance

Am 14. Juli ist es soweit. Ein langjähriger Freund im Serverraum wird aussortiert. Für das Betriebssystem Windows Server 2003 ist das Aus gekommen. Höchste Zeit für die IT zu handeln. Aber auch in Ruhe den Plan zu entwerfen.

End of Life. Endgültig vorbei

Für Windows Betriebssysteme, aber auch Programme hat Microsoft zwei wichtige Lebensmarken definiert. Da gibt es zum einen den „Mainstream Support“. Dieser bedeutet, dass der Hersteller aus Redmond nach dem Ende dieser meist fünfjährigen Periode keine Weiterentwicklung mehr betreibt und nur noch Sicherheitsupdates und kritische Fixes bereitstellt. „Extended Support“ wird die darauf folgende Phase genannt. Meist für weitere fünf Jahre festgelegt, werden in diesem Zeitraum nur noch Sicherheitslücken geschlossen oder andere kritische Patches dem Nutzer zur Verfügung gestellt. Danach ist endgültig Schluss mit der Pflege – der „End of Support“.

Handeln ist Pflicht

Nun hat es also den Server 2003 in all seinen Varianten (R2, etc.) erwischt. Ein Betriebssystem, welches wohl noch in vielen IT-Serverstrukturen zu finden ist. Kein Wunder. Es war ein guter Wurf und tut bis heute in vielen Bereichen erfolgreich seinen Dienst.

Server

Isoliert Weiterbetreiben?

Viele Unternehmen werden sich fragen, ob es denn nicht möglich ist, den Server in einer „abgeschotteten“ Umgebung weiterzubetreiben. Nach dem Motto: „Der Server geht nicht ins Internet!“. Keine gute Idee. Denn selbst wenn der Server völlig von der Außenwelt isoliert bleibt: über Umwege anderer Systeme bleibt er dennoch eine Sicherheitslücke und damit eine Gefahr für die gesamte IT-Struktur. Ebenso wichtig ist aber die Tatsache, dass mit dem End-of-Support keine Weiterentwicklung mehr erfolgt und damit Probleme im Betrieb von Anwendungen absehbar sind. Nicht zuletzt werden auch andere Hersteller nachziehen und den Support für diese Server-Variante in ihren Produkten einstellen.

Zeit für eine Migration

Die Aufgabe, das veraltete Betriebssystem durch eine aktuelle Version abzulösen, scheint auf den ersten Blick einfach. Neue Hardware muss (meist) her, da der meist ebenso alte Server nicht für aktuelle Betriebssysteme taugt. Stichwort: 64-Bit. Das neue OS aufspielen und die einzelnen Dienste und Anwendungen migrieren. „Ein Server, eine Applikation“ war zu Zeiten des alten Betriebssystems die Richtlinie. Damit sollte sich auch der Aufwand in Grenzen halten.
Auf alten Servern kommt nicht selten auch veraltete Software zum Einsatz. Ist dies der Fall, so ist die als einfach gedachte Migration schon komplizierter. Der Umstieg auf OS-Seite bringt dann auch noch eine vielfach komplexe Migration auf Anwendungsseite mit sich. Was aber, wenn es für die jahrelang eingesetzte Serverapplikation gar keine aktuelle Version mehr gibt, weil der Hersteller nicht mehr existiert oder weiterentwickelt?

Server 2003: Die Zeit_läuft

Die Zeit läuft schneller als Sie denken.

Die große Chance

Eine kurze Pause ist angeraten. Selten ist diese einfache 1-zu-1-Migration ein guter Weg. Versperrt sie doch die aktuelle Möglichkeit, die gesamte IT-Umgebung ein wenig besser und effizienter zu gestalten.
Zuvor aber kommen die Standardaufgaben jeder Migration: Die Inventarisierung der alten 2003-Umgebung. Welche Applikationen und Dienste laufen auf dem Server? Welche können eventuell vorab auf einen anderen, bereits bestehenden Server migriert werden? Druckdienste, DHCP-Services oder kleinere Anwendungen (TK-Steuerungen, o.ä.) könnten so ein Kandidat sein. Ist der Server ein Domain-Controller so gilt es die AD-Migration und deren Auswirkungen sorgfältig zu planen. Laufen dort DNS-Dienste so ist die Umstellung auch auf anderen Systemen (DNS-Servereinträge) zu bedenken. Microsoft hat für die Migration eine spezielle Webseite eingerichtet und bietet einen Migrationsleitfaden zum Download.

Migrationsschritte

Migrationsschritte

Welche User / Dienste / Protokolle greifen aktuell noch auf den 2003-Server zu? Eine kleine Netzwerkanalyse beugt hier unliebsamen Überraschungen vor. Nicht zuletzt ist zu bedenken, dass der Zielserver ein 64-Bit-System sein wird und folglich auch die Anwendungen in dieser Form zukünftig vorliegen sollten.

Vorgehen nach Plan

Die Servermigration bietet eine große Chance! Konsolidierung ist das Stichwort, das jedes Controller-Herz höher schlagen lässt. Discover, Assess, Target und Migrate – so lauten die von Microsoft angeratenen Stufen zur Migration. Nach erfolgter Erfassung und Katalogisierung der veralteten Systeme erfolgt eine Kategorisierung und Bewertung unter Berücksichtigung wichtiger Kriterien (Typ, Kritikalität, Komplexität, Potential für Verbesserungen etc.). „Target“ definiert die möglichen Migrationsziele – der entscheidende Punkt für etwas IT-Fantasie. Erst dann folgt die eigentliche Umsetzung.

Möglickeiten Server 2003-Migration

Viele Möglichkeiten weg vom 2003-Server

„Target“ – die Chance der IT-Abteilung

IT-Management bedeutet auch oft mit dem bestehenden IT-Umfeld leben zu müssen. Jetzt aber gibt es eine Chance, auf diesem Gebiet einige entscheidenen Verbesserungen vorzunehmen. Jetzt kann ein gutes Stück an der EDV geschraubt werden. Es muss ja nicht unbedingt Server auf Server folgen. Manchmal ist eine Appliance, die die Funktionalität des alten Servers vollständig abdeckt, die bessere Variante aus Sicht von Aufwand und Kosten. Vielleicht ist aber gerade jetzt der ideale Zeitpunkt, um eine veraltete oder ungeliebte Software aus dem IT-Bestand auszusortieren und dort die schon lange geplante neue Variante zu ersetzen? Der Projektumfang steigt schlagartig! Und dennoch ist vielleicht gerade jetzt der ideale Zeitpunkt.

Reduzierte Komplexität

Die Anforderungen des IT-Alltags bringen nicht selten „Übergangslösungen“, die dann doch eine gefühlte Ewigkeit im Einsatz bleiben. Geplante Migrationen bieten die Möglichkeit, dieser unglücklichen Entwicklung entgegenzuwirken. Eine Konsolidierung von Diensten und Anwendungen oder mehrerer Server vereinfacht die IT-Zukunft und reduziert die Kosten.

Virtualisierung oder vielleicht die Cloud

Für einen Großteil der Unternehmen bedeutet die Ablösung alter 2003-Server mit Sicherheit die Migration zu einem virtuellen Server. Aber auch hier ist die Umsetzung nicht ohne eine tiefgehende Planungs- und Testphase möglich. Meist landen unterschiedliche Dienste und Anwendungen des alten Server auf unterschiedlichen virtuellen Maschinen. Manche Systeme können aber nicht vollständig virtualisiert werden und müssen auf einer (kleineren) physikalischen Umgebung bleiben. Und dann bleibt auch noch das große Feld der „optimalen“ Virtualisierung. Stichwort: Ressourcenanalyse. Mehr als gut zu wissen, welche Anwendung, welche Belastung (CPU, Netzwerk, Bandbreite, Storage I/O, etc.) für die virtuelle Umgebung mit sich bringt.

Geschäftliche Vorgaben

Einen ganz anderen Projektcharakter bekommt die Migration der alten Server, wenn neue Anforderungen des Unternehmens gleichzeitig umgesetzt werden sollen. Warum ein altes System in eine Zwischenlösung migrieren, wenn ohnehin wenige Monate danach die große Umstellung ansteht. Umstellungen dieser Art bringen hohe Anforderungen an die Projektabwicklung mit sich. Vielleicht ist eine gleichzeitige Umsetzung doch zu riskant. Eine Berücksichtigung sollte die aktuelle Migration aber auf jeden Fall aufweisen.

Die Testumgebung

Kompatibiltät und Last sind die beiden entscheidenen Faktoren mit Sicht auf die neue Plattform. Eine nicht geringe Anzahl an Vorab-Tests ist notwendig, um den stabilen Betrieb auf der zukünftigen Plattform sicherzustellen. Virtualisierung hilft hier hohe Kosten einzusparen. Was auf „echter“ Hardware unendlich teuer kommt, kann in einer ausreichend dimensionierten virtuellen Umgebung günstiger und schneller erledigt werden. Ob die neue / alte Applikation auf dem neuen Betriebssystem einwandfrei funktioniert, kann hier mit verringertem Aufwand vorab getestet werden. Snapshot und Rücksetzung sind des Tester bester Freund. Die Migration der Anwendung kann so „in Ruhe“ durchgespielt und Stolperfallen mit dem Hersteller aus dem Wege geräumt werden.

Das war's: Server 2003

Das war’s: Server 2003

Da war noch etwas

Nach Abschluss der Migration bleibt meist ein alter ausgeschalteter Server zurück. Das gute Stück Hardware, welches uns meist ein Jahrzehnt begleitet hat, steht zur Entsorgung bereit. Dies sollte mit Hinsicht auf heikle Daten auf den Festplatten professionell erfolgen. Erst wenn die zuvor letztmalig gesicherten Daten unwiderruflich gelöscht worden sind, erfolgt die Freigabe zur Entsorgung.

Zeit für IT-Restrukturierung

Die Zeit bis zum End-of-Support für den Server 2003 ist nicht mehr lange. Die Chance, mehr als nur eine einfachen Wechsel des Betriebssystems, sollte genutzt werden. Eine gute Planung ermöglicht nicht nur den zukünftigen fehlerfreien Betrieb, sondern bietet auch die Chance die eigene IT ein gutes Stück auf die Zukunft auszurichten. Eine Chance, Altlasten loszuwerden, die sich nicht jeden Tag bietet.


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2 Antworten

  1. Emilia Base sagt:

    Dank gewisser Strukturen ist die Migration nicht all zu aufwändig. Daher sehe ich keine Ausrede, warum Unternehmen im Bereich IT Service immer noch nicht den Wechsel zu einer neueren Server Version greifen. Alleine die Sicherheitslücken können massiv unterschätzt werden! Ich würde zu einer IT Beratung greifen und schleunigst etwas unternehmen.

  2. Jens Hagel sagt:

    Nach Windows XP nun als auch das Aus für Windows Server 2003. Trotzdem gilt es enorm viel Überzeugungsarbeit zu leisten, denn vielen Unternehmen ist einfach nicht klar, wie gefährlich es ist, ohne aktuelle Microsoft-Updates zu arbeiten.

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