Abschied von Windows XP

Die Zeit für einen guten alten Begleiter ist abgelaufen. Am 8. April 2014 wird Microsoft den Support für Windows XP einstellen und damit auch keine Patches mehr zur Verfügung stellen. Handeln ist angesagt.

Widerstand der Unternehmen

Obwohl Microsoft die Archivierung des beliebten Betriebssystems schon vor einem Jahr ankündigte, gibt es derzeit große Aufregung. Viele Firmen – vor allem in den USA – haben es versäumt, ihre Arbeitsstationen auf ein neueres OS zu migrieren. Jetzt wird Druck auf den Konzern ausgeübt, die Frist zu verlängern.

Gleiches gilt anscheinend auch im Bankenwesen. So soll laut Zeitungsberichten noch eine erhebliche Anzahl an Geldautomaten unter dem alten Betriebssystem laufen.

Der Traum aller Hacker

Keine Patches in der Zukunft bedeutet also nicht nur keinerlei Fehlerbehebungen in der Funktionalität der Rechnerbasis (also auch keine Treiber). Das große Ungemach droht, da auch keine Sicherheitslücken mehr gestopft werden. Und damit wird der OS-Veteran automatisch zum idealen Einfallstor für Schadsoftware. Das Problem der Unternehmens-IT: Bereits ein Rechner reicht aus, um die gesamte Sicherheitsstruktur auszuhebeln. Denn nach wie vor gilt, dass in erster Linie Lücken in Betriebssystemen ein erhebliches Sicherheitsrisiko bergen. Dann sitzt der IT-Feind bereits mitten im Unternehmen.

Die Hausaufgaben der IT

Man kann Microsoft keinen Vorwurf machen. Schließlich ist Windows XP nun ein gutes Jahrzehnt am Markt und vier (!) Versionen alt. Konnte man Windows Vista noch zu Recht als unbrauchbar ablehnen und überspringen, so gilt diese Argumentation seit Windows 7 nicht mehr. Damit brachte Microsoft ein stabiles und praxiserprobtes Betriebssystem auf den Markt. Keine Ausreden. Obwohl eine OS-Migration im Clientumfeld gerade für größere Umgebungen keine einfache Aufgabe ist – es war ausreichend Zeit.

Applikationen und andere Probleme

Mit der Migration des Betriebssystems ist es natürlich nicht getan. Die Umstellung bedarf auch einiger Vorbereitungen und Tests im Anwendungsbereich. Dabei muss jede einzelne eingesetzte Anwendung einer Prüfung unterzogen werden, ob diese auch unter dem neuen OS problemlos funktioniert. Gleiches gilt für alle möglichen Treiber von Zusatzgeräten. Die Zeit der Checklisten ist damit gekommen.

Mit dem Aus von XP geht auch die Zeit für bestimmte Softwarepakete zu Ende. Im Microsoftbereich trifft dies vor allem Office 2003. Auch hier werden keine Flicken mehr programmiert. Viele Hersteller anderer Software werden damit ebenfalls die alten XP-Versionen einstellen oder nur noch stiefmütterlich pflegen.

Wohin geht die Reise?

Die statistischen Zahlen sprechen noch von knapp 30 Prozent an Windows-Rechnern, die unter XP betrieben werden. Diese Zahl klingt erschreckend. Auf den zweiten Blick relativiert sich dieser Anteil aber stark, denn der größte Anteil an XP-Anwendern ist im Home-Bereich vertreten. Hier ist ein Umstieg meist eher eine finanzielle als eine technische Herausforderung. Der nächste (stärkere) Rechner war wohl ohnehin schon länger in Planung. Und nicht wenige haben damit eine beliebte Ausrede, sich nun etwas Neues zu gönnen. Aber auch hier schadet etwas Planung nicht.

Die Gefahr für „die Allgemeinheit“ besteht wohl eher darin, dass hartnäckige Umstiegsverweigerer zukünftig unbemerkt in den Klub der Botnetz-Mitglieder eintreten werden. Die Anzahl an „gekaperten“ Rechnern, die uns täglich mit Spam-E-Mails und aller Art von Schadsoftware versorgen, wird damit schlagartig erhöht. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es Leuten gelingt, mit tausenden von Rechnern gleichzeitig eine Internetattacke zu fahren? Genau so.

Ist die Zeit reif für Windows 8?

Ein neues Betriebssystem bedeutet auch fast immer neue Hardware. Der Grund liegt einfach daran, dass nicht nur das OS steinalt ist. Meist ist auch die Leistung des Rechners von vorgestern.

Im privaten Umfeld vereinfacht neue Hardware den Umstiegsprozess. Das neue Betriebssystem ist meist vorinstalliert und mit wenigen Mausklicks ist alles betriebsbereit. Vor allem das umständliche Setup von Treibern und Gerätesoftware ist damit um einiges einfacher.

Im Unternehmen sieht die Lage damit aber nicht unbedingt einfacher aus. Neue Hardware bedeutet einen immensen Zeitaufwand – und damit nicht zu unterschätzende Kosten. Aber auch hier gilt: wann, wenn nicht jetzt.

Von Kacheln und anderem Schulungspotential

Die Frage, ob auf dem neuen Rechner Windows 7 oder 8 zum Einsatz kommen soll, ist ebenfalls im Privatbereich leichter zu treffen. Obwohl auch hier die Umstellung auf die neue Benutzeroberfläche nicht intuitiv vonstatten gehen wird, spricht einiges dafür, gleich auf die aktuellste Version zu wechseln.

Im Businessbereich ist diese Entscheidung schon weitaus schwieriger – und umfangreicher. Neben der Prüfung jeder Software auf Kompatibilität (gilt für Windows 7 und 8) ist hier mit einem größeren Schulungsaufwand im Anwenderbereich zu rechnen. Obwohl auch der Umstieg von XP auf Windows 7 nicht für jeden Nutzer einfach ist, gibt es hier zumeist schon Erfahrungen aus der Privatnutzung. Für Windows 8 gilt dies selten.

Alter Rechner, neues OS?

Wer seinem bestehenden Rechner noch das neue Betriebssystem zumuten will, steht vor dem Thema Datenmigration. In welchem Umfang diese erfolgen soll, entscheidet über den Aufwand und die erforderliche Zeit. Die Migration von XP bedeutet immer eine Neuinstallation – egal ob die Reise in Richtung 7 oder 8 geht. Daten und Dokumente sollte kein Problem darstellen. Eine saubere Ablage vorausgesetzt reicht im privaten Umfeld sogar ein USB-Stick, um diese nach erfolgter Migration wieder auf den Rechner zu übertragen. Anwender im Unternehmen sollte ohnehin ihre Daten auf zentralen Servern abgelegt haben.

Migration will geplant sein

Weitaus schwieriger ist der Transfer von Einstellungen und Konfigurationen auf die neue OS-Plattform. Obwohl es selbst unter Windows Bordmittel zur Migration gibt, sollte zuerst auf dem grünen Tisch die Analyse erfolgen. Macht es überhaupt Sinn, Einstellungen zu übertragen, wenn vielleicht ohnehin eine neue Software(version) zum Einsatz kommt? Manchmal kann Migration auch zum Aufräumen verwendet werden – dann läuft so manche alte Hardware wieder schneller.

Aber nur eine gut funktionierende Outlook-Konfiguration (Postfächer, Regeln, Signaturen, etc.) auf ein neues System zu übertragen, bedeutet schon einigen Aufwand. Gleiches gilt für andere Office-Software. Und die Banksoftware. Und …

Neues OS, neues Profil

In vielen Unternehmen kommen „Roaming Profiles“, also servergespeicherte Profile zum Einsatz. Nach einem Rechnerwechsel lassen sich so auf einfachem Weg alle Einstellungen und individuelle Dateien (z.B. Vorlagen) umgehend nutzen. Da Microsoft aber auch hier ein Schnitt gemacht hat (ab Windows 7 gilt „V2“ für Profile), nutzt dies wenig. Hier helfen nur professionelle Tools – sei es, um das alte Profil zu migrieren oder auch „nur“ über Gruppenrichtlinien die zentral geregelten Einstellungen auf die neu eingerichteten Rechner zu übertragen.

Platt machen? Backup!

Das neue Betriebssystem auf einem neuen Rechner zu installieren hat einen (weiteren) großen Vorteil: Sie haben jederzeit Zugriff – und das sogar über Wochen – auf Ihren alten Datenbestand. Allein um „nur kurz“ nachzusehen, wo die alte Vorlage geblieben ist, warum die Einstellungen auf dem neuen Rechner zu keinem gewünschten Ergebnis führen – die Verfügbarkeit des alten Systems kann Stunden retten.

Ansonsten hilft nur eines: das Backup. Aber selbst eine vollständige Sicherung hilft wenig, wenn es darum geht, einzelne Konfigurationen einer Software zu korrigieren oder nachzuschlagen. Denn der Weg der Wiederherstellung bleibt den Dateien vorbehalten.

Tja, EDV ist eine Sache der Planung. XP bekommt aber einen Ehrenplatz auf der Bühne der IT-Erinnerungen.

 


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