Livescribe bringt den Kugelschreiber für die Cloud

Jeder kennt die Situation. Man sitzt im Meeting und macht sich Notizen oder besucht einen Vortrag / Workshop und kritzelt heftig vor sich hin, um nichts von den wichtigen Informationen zu vergessen. Zurück im Büro stellt sich die Frage der Einordnung der handschriftlichen Anmerkungen.

Medienbrüche und der Alltag

Schließlich will man alle Dokumente an einem gemeinsamen Ort verfügbar haben. Und die meisten liegen heute digital auf einer Festplatte. Was also tun mit dem Papierkram? Gut, wie auch bei anderen Informationen in Papierform gibt es die Möglichkeit, diese in den Dokumentenscanner (Empfehlung: Fujitsu ScanSnap iX500) zu packen und schon steht ein PDF zur Verfügung. Funktioniert ganz gut – wenn man den richtigen Scanner besitzt. Nur für jede einzelne A5-Seite gleich den Scanner bemühen?

Die Livescribe-Alternative

Bereits vor einiger Zeit brachte Livescribe mit dem „Echo“ einen Schreiber auf den Markt, dessen integrierte Kamera die Handschrift gleichzeitig digital aufzeichnet. Wurde der Kugelschreiber später via USB an das Notebook oder den PC angeschlossen, so transferierte die hauseigene Software das Geschriebene als PDF auf die Festplatte. Zusätzlich konnte eine – getrennt zu erwerbende – Erkennungssoftware (OCR) sogar das eigene Gekritzel in digitale Buchstaben verwandeln.

Livescribe Smartpen 3 Black Edition für Android & iOS Tablets und Smartphones
  • Lässt sich per Bluetooth Smart (Low Energy) mit Ihren iOS- und Android-Geräten verbinden und synchronisiert Texte und Zeichnungen mit der kostenlosen Livescribe+ App.
  • Die einfachste, schnellste Art, wichtige Informationen vom Papier auf Ihr Tablet und Smartphone zu übertragen, wo sie effizienter genutzt werden können
  • Nutzt das Mikrofon Ihres Smartphones oder Tablets für Audioaufzeichnungen, die mit den Texten und Zeichnungen synchronisiert werden
  • In der Livescribe+ Mobile App erfasste Notizen lassen sich organisieren, mit Markierungen versehen und an andere Geräte senden bzw. für diese freigeben. Zugehörige Audiodateien lassen sich abspielen

Letzte Aktualisierung am 17.10.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Das Problem dabei war weniger die Technik, sondern die Umständlichkeit der Handhabung. Ohne die – mehr als mittelalterlich anmutende – Livescribe-Software ging gar nichts. Diese hatte natürlich ihre eigene Verwaltung, mit Notizbüchern, Beschlagwortung, etc. Von dort musste dann exportiert werden. Viel zu viel Aufwand für die Synchronisierung des letzten Meetingberichts.

Der „Sky“ für die Cloud

Der neue Stift umgeht all diese Hürden und synchronisiert direkt in die Cloud (aktuell mit Evernote, zukünftig noch mit weiteren Diensten). Es genügt eine WLAN-Anbindung und sofort ist das erfasste Dokument in Evernote. Damit ist es umgehend auch am Tablet, PC oder sogar am Smartphone mittels Evernote-App abrufbar.

Audio-Notiz inklusive

Der kleine Schreiberling kann aber noch mehr: Gleichzeitig mit der handschriftlichen Erfassung kann auch eine Audio-Aufzeichnung gestartet werden. Der Clou dabei ist, dass das digitale Endprodukt der Aufzeichnung beides synchron hält. Sie können also jederzeit den „Originalton“ zu einer beliebigen Stelle im Textdokument abrufen. Auf dem Notizblock muss dazu nur „irgendwas“ zu eben diesem Zeitpunkt erfasst worden sein. Das Ganze nennt sich dann »Pencast«.

Was technisch schick ist, bleibt in der Praxis doch die Ausnahme. Das eingebaute Mikrofon eignet sich kaum für größere Räume (wie Vorlesungen im Uni-Bereich). Für Meetings im kleinen Rahmen taugt die Technologie zwar, hier ist aber das Gebot der Privatsphäre das entscheidende No-Go.

Das Setup Schritt für Schritt

Ist der „Sky“ einmal geliefert, ist man binnen Minuten einsatzbereit. So will es der heutige App-Fan.

  • Registrierung: Zu allererst ist eine Benutzerregistrierung auf der Livescribe-Homepage notwendig. Dort muss auch das Gerät selbst registriert werden. Dazu wird beim Einschalten des Stifts ein Code ausgegeben, der auf der Webseite einzugeben ist. Ist bereits ein Livescribe-Account vorhanden (z.B. von der Registrierung eines älteren „Echo“), so kann dieser weiter genutzt werden.
  • Evernote-Account: Aktuell funktioniert die Synchronisation des „Sky“ nur mit dem Clouddienst Evernote. Dieser kann kostenlos erstellt werden, sodass nur durch die Livescribe-Nutzung keine Zusatzkosten entstehen. Da Evernote aber ohnehin eine Bereicherung der eigenen Produktivität darstellt, sollte dies nicht weiter stören. In Evernote ist der Zugriff des Livescribe-Stifts noch zu bestätigen.
  • Livescribe Helper: Ganz ohne Software geht es nicht. Bliebt man im Alltag davon verschont, so ist zumindest für das Einspielen von Firmware-Updates auf dem Kugelschreiber der „Livescribe-Helper“ notwendig – und damit auch eine USB-Anbindung (Kabel und Software sind im Lieferumfang).
  • Firmware Update: Der Stand der Firmware entscheidet über die Funktionalität des Stifts und dessen fehlerfreien Betriebs. Deshalb muss zu allererst nach dem Download des Helpers diese aktualisiert werden. Geht ganz einfach: Helper downloaden, installieren und starten. Dann den Stift über USB mit dem Rechner verbinden. Den Rest erledigt die Software automatisch.
  • Adobe Air: Die Connect-Software setzt auf „Adobe Air“ auf. Sollte Sie eigentlich nicht weiter interessieren. Da aber Adobes Software für vielfältige Sicherheitslücken bekannt ist, sollten Sie hier auf jeden Fall einen Update-Hinweis befolgen.
  • Die WLAN-Registrierung: Ist das Firmware-Update erledigt, so kann die USB-Verbindung getrennt werden. Jetzt ist nur noch der Zugang zum eigenen WLAN zu konfigurieren. Dazu benutzt Livescribe die Symbole im Notizblock. Neben dem mitgelieferten „Starter-Notizblock“ enthält die Lieferung auch noch Aufkleber mit diesen Symbolen. Diese Symbole ersparen einem die fricklige Eingabe über ein Mini-Display. Einfach mit dem (eingeschalteten) Pen auf die Stickersymbole tippen: „Scan for Networks“ sucht das eigene WLAN-Gerät im Heimnetz oder im Büro. Ist dieses gefunden und wird im Display angezeigt, erfolgt ein weiterer Stift-Klick auf den Eintrag „Select your Network“ in der Symbolkette des Notizblocks. Jetzt nur noch über die abgebildete Tastatur den WPA2-Schlüssel des Netzwerks eingeben. Fertig.

Bedienung über Symbole

Die erweiterte Bedienung des WLAN-Kugelschreibers erfolgt immer über die Symbol- und Tastaturliste des Notizblocks (oder die mitgelieferten Aufkleber). Neben einigen unnötigen Spielereien (Taschenrechner, Apps) ist dies vor allem zum Aus- und Einschalten der WLAN-Verbindung notwendig, aber auch zum Einbuchen in fremde Netze (Stichwort: Hotspot). Auch ein Synchronisierungsvorgang kann damit angestoßen werden – sollte die Automatik einmal versagen.

Sky und Evernote

Was vor allem für Nicht-Evernote-Nutzer erst mal wie ein Nachteil klingt, ist auf den zweiten Blick eine gute Symbiose der beiden Welten. So bietet Evernote eine flexible und variantenreiche Anwendung von Notizen. Nicht nur die Strukturierung, sondern auch das Teilen von Informationen wird durch die Funktionalität von Evernote auf die Handschriften mit Sky übertragen.

Der kostenlose Evernote-Account hat eine monatliche Maximierung des Datenvolumens was die Synchronisation betrifft. Der Sky-Einsatz wird hier aber nicht mitgezählt. Sky-Nutzer erhalten ein zusätzliches Upload-Volumen von 500 MB für Dokumente, die mit dem Stift erstellt wurden. Mehr als reichlich.

Wie viel Speicher braucht ein Stift?

Den Livescribe-Sky gibt es mit unterschiedlichen Kapazitäten. Die kleinste Variante verfügt über 2 GB, dann gibt es noch die Ausstattung mit 4 GB. Die Propack-Version enthält die 8GB-Version und zusätzlich noch ein Portfolio aus Leder und eine einjährige Evernote-Premium-Lizenz. Der Preis dafür fällt aber auch stolz aus: aktuell knappe 250 Euro.

Auf Papier schreiben, auf Livescribe-Papier

Auch etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass Livescribe für die Verarbeitung der handschriftlichen Notizen ein spezielles Papier benötigt. Schließlich muss sich die Kamera ja orientieren können, wo der geneigte Anwender gerade seine Kritzeleien auf der Seite vollzieht.

Auf den ersten Blick scheint dies reine Geldmacherei. Ist es aber nicht. Die Blöcke sind gut verarbeitet und bewegen sich im erschwinglichen Rahmen. Zumeist wird der Verbrauch überschätzt. Nicht für jede Art an Notizen wird der Livescribe herangezogen – Archivierung ist die Devise. Kein Argument gegen die Lösung.

Kleiner Tipp am Rande: Sie können das benötigte Papier (Micro-Dots) auch selbst ausdrucken. Vorausgesetzt Sie besitzen den passenden Drucker: Farbe und HP LaserJet-Kompatibilität (Adobe PostScript bei 600 dpi) sind Pflicht – in der Praxis aber umständlich und nur eine geringe Einsparung gegenüber den guten Notizblöcken des Herstellers.

Vorteile des Livescribe-Konzepts

Durch die Flexibilität und Einfachheit in der Handhabung gelingt Livescribe mit der Einführung des drahtlosen Sky-Modells ein essentieller Schritt beim Zusammenspiel von analogen und digitalen Aufzeichnungen. In der Praxis funktioniert alles wie erwartet (die Audio-Qualität mal ausgenommen). Die mit Evernote synchronisierten Dateien integrieren sich sehr gut in das Universal-Ablagesystem. Damit landet auch die handschriftliche Meeting-Notiz oder die Workshop-Mitschrift dort wo sie hingehört – in einen einheitlichen Datenstore. Von dort kann dann weiterverarbeitet werden.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Haltedauer des Akkus. Selbst auf Geschäftsreisen dürfte eine Akkuladung für die gesamte Dauer ausreichen.

Vieles verbesserungsfähig

Dennoch ist so manches am Cloud-Kugelschreiber auszusetzen. Kann man über den Preis noch diskutieren, so ist die Verarbeitung des Schreibers – also die eigentlichen Merkmale eines Stifts, wie Mine und damit Schreibverhalten, Haptik und Verarbeitungsqualität – auf einfachstem Niveau. Jeder in China hergestellte Billigschreiber entwickelt dasselbe Schreibgefühl.

Fazit

Das Gesamtkonzept des Livescribe Sky ist stimmig, die Handhabung denkbar einfach. Hier ist der richtige Schritt auf dem Weg einer Zusammenführung von analogen und digitalen Informationen gemacht.

Wäre der Kugelschreiber in seiner Verarbeitung auch noch auf einem Niveau eines »Parker« – von edleren Geräten ganz zu schweigen – so wäre der Einsatz fast schon Pflicht.


Anzeige



Teile diesen Artikel

Das könnte Dich auch interessieren …

1 Antwort

  1. Student sagt:

    Danke für den ausführlichen Testbericht :).

    Der Sky Pen ist ja in jeder Hinsicht eine konsequente Verbesserung des Echo. Ich hab aber an einigen Stellen gelesen, dass die Anbindung mit Evernote in puncto Audio-Synchronisierung noch ein paar Kinderkrankheiten hat. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass sich diese Probleme im Laufe der Zeit bzw. der Updates noch geben werden :).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*