Windows 10: Der kommende Standard

Mit der Version 8 von Windows hatte Microsoft die gesamte Nutzerschaft verprellt. Obwohl das Betriebssystem in der Praxis tadellos seinen Dienst verrichtet, war der Touch-/Desktop-Zwitter derart verwirrend, dass der Großteil der Anwender das Update verweigerte. Jetzt wird alles besser: Windows 10 kommt.

Das neue Microsoft

Seit Sataya Nadella das Ruder bei Microsoft übernommen hat, weht ein spürbar neuer Wind in Redmond. Es hagelt nur so von Neuvorstellungen und Ankündigungen und seit vielen Jahren versteht es der Konzern wieder einmal die Techniker zu begeistern. Neben Office 365 und Azure soll vor allem das neue Windows einen radikalen Wandel in der Anwendung von Microsoft-Technologie bringen.

Windows 10: Viele Geräteklassen

Eine Plattform, viele Geräte

Der universelle Ansatz, den Microsoft mir Windows 10 anstrebt, ist aktuell einzigartig. Sowohl Apple wie auch Google pflegen unterschiedliche Betriebssysteme für deren stationäre und mobile Gerätschaft. Windows 10 beschreitet hier einen neuen Weg. Egal ob Desktop-Rechner oder Tablet, SmartPhone oder der große Surface Hub – das neue Windows soll für alle Hardware-Klassen gleich sein und sich automatisch an das jeweilige Gerät anpassen. Kein simples Zooming auf die jeweilige Bildschirmgröße, sondern eine optimale „Verwandlung“ soll das neue Windows auszeichnen. Sogar die XBox und die spektakuläre „Augmented Reality“-Brille HoloLens soll unter demselben Kernel laufen.

Continuum – das neue Arbeiten

Auf den beiden Großveranstaltungen „Build“ und „Ignite“ konnte Microsoft jedenfalls überzeugen. Aus Windows-Sicht ist wohl „Continuum“ die größte Neuigkeit. Was vor wenigen Monaten ein schlichter automatischer Wechsel vom Desktop- in den Touch-Modus war (sobald die Tastatur abgeklemmt wurde), demonstrierte Joe Belfiore nun mit einem Windows SmartPhone und einem Monitor.

Wird das Telefon (über HDMI) angeschlossen, so wechselt die jeweilige Universal-App – z.B. Word, Excel, etc. – in den Desktop-Modus und ist als vollständige PC-Version nutzbar. Die Performance ist selbstredend vom eingesetzten SmartPhone abhängig, die Funktionalität aber nicht. Windows 10 macht es möglich.

Universal Apps

Universal Apps

Bedingung für diese neue Art der SmartPhone-Nutzung sind die „Universal Apps“. Dies bedeutet, dass vom Entwickler eine App über den Store angeboten wird, die mit allen Geräteklassen kompatibel ist. Wurde dies entsprechend umgesetzt, passt sich die Applikation dem Endgerät an und präsentiert sich einmal als Touchversion auf einem Mini-Display und dann als vollständiges Desktopprogramm auf dem gewohnten Büro-Monitor. Eine neue Art des mobilen Arbeitens (ohne PC) wird dadurch möglich. Schließlich reicht jeder Monitor oder Fernseher und eine Bluetooth-Tastatur mit Maus.

Windows IoT

Bei den bekannten Geräteklassen will es Microsoft nicht belassen. „Internet of Things“ ist im Anmarsch – und auch dafür gibt es eine Version von Windows 10, die auf Kleinstgeräten (Raspberry Pi, etc.) und allen möglichen zukünftigen vernetzten Mini-Systemen laufen wird.

Edge: Der neue Browser

Der Internet Explorer hat sich seinen schlechten Ruf redlich verdient. Mit Windows 10 wird ein zusätzlicher Browser geliefert, der den Ansprüchen im „Modern Web“ gerecht wird. Was in der Entwicklungsphase noch „Spartan“ genannt wurde, heißt final nun „Edge“. Mit einer völlig neuen Rendering Engine ausgestattet, ermöglicht der neue Browser auch neue Arbeitsweisen. So können Internetseiten nun „eingefroren“ werden, um diese zu kommentieren, abzuspeichern oder mit anderen zu teilen. Selbst die Stifteingabe – wie mit dem Surface Pro geliefert – wird unterstützt. Eine schöne Sache für das eigene Dokumentenarchiv.
Was ist nun mit IE? Der altgediente Internet Explorer verbleibt weiter auf dem PC, auch unter Windows 10. Zu viele Unternehmen sind auf diesen noch angewiesen, um ihre eigenen Applikationen zu steuern und die Rückwärtskompatibilität zu gewährleisten.

Windows Sprachsteuerung mit Cortana

Cortana: Sprache auf dem PC

Bei Sprachsteuerung trennen sich die Geister. Auf dem SmartPhone ist diese Art der Bedienung den meisten zu fehleranfällig. Andere schwören darauf – zumindest für „Kurzanweisungen“. Ob sich dies auf dem PC anders entwickeln wird, kann bezweifelt werden. Fakt ist aber, dass eine Sprachsteuerung ihre Vorteile hat. Nicht nur die Steuerung der Geräte kann dadurch vereinfacht werden, auch die Texterfassung könnte davon profitieren.
Cortina ist in Windows 10 integriert und kann die Standard-Textsuche des Betriebssystems erweitern. Wer dies nicht will, kann Cortana abschalten. Firmen können dies – um steigende Geräuschkulissen im Großraumbüro zu vermeiden – über eine Richtlinie geräteübergreifend steuern.

Migration und Upgrade

Microsoft unternimmt alles, um Windows 10 das Schicksal von Windows 8 zu ersparen. Für Endanwender wird die neue Windowsversion kostenlos sein, so diese auf Ihrem PC bereits Windows 7 oder 8 installiert haben. Für Unternehmen (Enterprise-Version) wird es kostengünstige Upgrade-Angebote geben. „Windows as a Service“ ist im Anmarsch.

Windows 10: Updates in Ringen

Anforderungen an die Hardware

Die gute Nachricht: Was bereits mit Windows 8 begann, zieht Microsoft auch mit der Version 10 weiter. Das neue Betriebssystem wird auf jeder aktuellen Hardware laufen. Soll heißen: wer heute einen performanten Windows 7-PC sein eigen nennt, der sollte auch nach dem Update entsprechend schnell arbeiten können. Dennoch sollte sich heute niemand einen Rechner mit weniger als 8 GB Hauptspeicher anschaffen und sich eine SSD gönnen.

In-Place oder Neuinstallation

Vorhandene Betriebssysteme ab Version 7 (also auch Vista und 8) können mit Windows 10 ohne Datenverlust – Programme und Userdaten – upgegradet werden. Auch hier gibt es gute Nachrichten: Was ursprünglich zwar möglich aber nicht unbedingt empfohlen war, läuft in den ersten Tests mit der Preview-Version reibungslos. Anwendungen, deren Einstellungen und die Daten des Anwenders werden übernommen. Ein Backup zuvor ist wie immer Pflicht.
„Mehr als 90% der Win7 Applikationen werden mit Windows 10 kompatibel sein“, wurde von Microsoft verkündet. Aktuelle Programmversionen sollten also kein Problem darstellen. Etwas mehr Gewissheit im Vorfeld verschafft die Kompatibilitätsprüfung – vor allem bei exotischen Anwendungen. Unternehmensspezifische Apps sollten einem Test im Labor als VM unterzogen werden, vielleicht bereits jetzt mit der Preview.

Updates – der Windows-Alltag

Jeder Administrator kennt ihn: den Patchday. Jede zweite Woche des Monats stehen Scharen von MS-Administratoren im Kampf mit den Updates. Daran wird auch die Zukunft nicht viel ändern. Der „Patch-Tuesday“ bleibt.
Und doch wird sich einiges ändern. Mit Windows 10 führt Microsoft die Updateverteilung in „Ringen“ ein. Was den Privatanwender wenig zu kümmern braucht, ist für Administratoren in Unternehmen hochinteressant. Windows Update for Business nennt sich die neue Art der Verteilung in zwei Varianten.

Update for Business: CBB und LTS

Zukünftig soll der Administrator im Unternehmen aus zwei Update-Verteilungsringen pro Gerät wählen können: Current Branch Business (CBB) oder Business Long Term Servicing (LTS). Je nach Verteilungsring erhalten die Arbeitsstationen die Updates zeitnah oder zeitverzögert. Dies verhilft Unternehmen zu einer ausführlichen Prüfung auf Kompatibilität vor dem Rollout. LTS beinhaltet keine Funktionserweiterungen, nur Sicherheitsudpates.
Außerdem stellt die neue Updatefunktionalität dem Administrator die Definition spezieller Zeitfenster für die Installation zur Verfügung („nur zwischen 01:00 und 05:00 Uhr“, „nie am Freitag“, etc.). Zuletzt wird es noch die Peer-to-Peer-Verteilung geben. Damit soll vor allem in Außenstellen der Download begrenzt werden, indem sich die Patches einfach von einem definierten Nachbarsystem holen lassen. Den beliebten WSUS wird es aber auch weiterhin geben.

Windows 10: Installaton und Upgrade

Mehr Sicherheit

Security ist und bleibt eines der Hauptthemen der IT. Dem fühlt sich auch Microsoft seit längerem verstärkt verpflichtet. Das geräteübergreifende Konzept von Windows 10 zeigt auch hier seine Stärke. Ein Patch-Level für alle Windows 10 Geräte – so lautet die Devise. Kann dies in der Praxis umgesetzt werden, so wäre ein guter Schritt in Sachen IT-Sicherheit getan (denken Sie nur an die vielen unterschiedlichen OS-Stände von Androidgeräten).

ZFA für alle Geräte

Die Zwei-Faktor-Authentifizierung wird mit Windows 10 auch all deren Geräte erreichen. Das Handling in der Praxis bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass sich Smartcards auf dem PC nicht durchgesetzt haben. Warum also nicht das SmartPhone oder ein biometrisches Zugangssystem als zweite Instanz zur Authentifizierung nutzen?

Viele Kleinigkeiten

Die neue Benachrichtigungszentrale, der Multi-Desktop, der zentrale App-Store – es gibt noch viele Neuigkeiten, die mit Windows 10 kommen werden. Manche davon sind Kleinigkeiten, die aber die tägliche Arbeit am PC erleichtern werden und genau aus diesem Grund sehr wichtig sind.
Microsoft hat einen guten Job gemacht. Ein ungewohnter Wind von Visionen und Erneuerung kommt aus Redmond. Zeit, das Upgrade auf Windows 10 in Unternehmen zu planen.

 


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